Vätternrundan – ein Erfahrungsbericht

“The world’s largest recreational bike ride, Vätternrundan..”, so schreibt der Veranstalter! Vätternrundan ist eher ein “Fahrrad Festival” als ein Fahrradrennen! Es ist es einfach eine phantastische Veranstaltung. Nach den 300 km ins Ziel zu kommen gehört zu den großen Momenten in meinem Radfahrerleben.

Die ganze, sehr schön gelegene, Kleinstadt ist voller Radfahrer. Kein Wunder bei mehr als 20.000 Teilnehmern und gerade mal 2.900 Einwohnern. Der Marktplatz ist eine Fahrradmesse, die Restaurants sind voller Lycra. Angeblich verdreifacht sich die Einwohnerzahl im Rahmen der Veranstaltung.

Vätternrundan, 2015-06-12–13, målet i Motala, Foto: Micke Fransson

Es gibt Teilnehmer aus allen Altersgruppen, aus vielen Ländern, jeglichen Fitnessniveaus, jeglicher Ausstattung. Manche brauchen sieben Stunden, andere 28 Stunden. Es macht viel Spaß, dennoch ist es wichtig immer die Augen aufzuhalten und Handzeichen und Signale zu geben, da auch weniger routinierte Fahrer am Start sind.

Das Event ist extrem gut organisiert, die Organisation wird seit über 50 Jahren optimiert. Alle 40-50 km kann man in einem Depot essen, trinken und Hilfe bekommen. Es gibt Aufsammelbusse, man kann überflüssiges an jeder Verpflegungsstation abgeben und später im Ziel wieder abholen, es gibt rollende Mechaniker für den technischen Ernstfall, etc.

Grade bei einer Jungfernfahrt empfiehlt es sich natürlich die Runde entspannt anzugehen. Die Prio ist ja heile anzukommen und die Tour zu geniessen: schön in/bei Motala wohnen, gut schlafen (!) und dann unterwegs die “Köttbullar” in Jönköping bei km 100, und dann bei km 170 in Hjo eine warme und reichhaltige Lasagne zu essen. Das ist sicher ein sehr gutes Rezept für die Premiere.

Hier noch ein paar wertvolle Tipps:

  1. Wirklich jeder der ca. 1000 km (meist längere Ausfahrten) in den Beinen hat, kommt um den See. Mit ca. 2000-3000 km in den Beinen geht es schneller und fühlt sich etwas weniger anstrengend an – es macht einfach mehr Spaß.
  2. Ich empfehle eine längere Runde (150km++) zwei-drei Wochen vor dem Event. Das ist gut für die Psyche.
  3. Man sollte auf schlechtes Wetter (und damit meine ich wirklich schlechtes Wetter) vorbereitet sein. Also auch einmal bei Regen trainieren und die Klamotten testen. Winddicht ist wichtiger als wasserdicht. Nass wird man sowieso.
  4. Man sollte unbedingt vorher üben in der Gruppe zu fahren. Die Handzeichen sollten sitzen. Einen stabilen Kurs sollte man halten können.
  5. In weiten Teilen ist die Strecke NICHT für den Autoverkehr gesperrt, es sind aber (bis auf wenige Abschnitte) sehr, sehr wenig Autos unterwegs. ABER es gibt durchaus Gegenverkehr (leider auch LKW auf eher schmalen Strassen).Damit sollte man also rechnen.
  6. Man sollte das Essen und Trinken auf Langstrecken üben. Bei dieser Tour kommt es vor allem darauf an, den Körper mit genug Energie zu versorgen. Ihr verbraucht bei der Runde in etwa soviel Kalorien wie ihr sonst in einer Woche braucht!! Oder nach der Pizza-Daumenregel: Eine Pizza pro Stunde!
  7. Das Rennen macht in der Gruppe mehr Spaß. Im Windschatten zu fahren spart bekanntlich enorm viel Energie. Es sind viele Fahrer unterwegs, man findet fast immer eine kleinere Gruppe, wo man sich dann einklinken kann.
  8. ACHTUNG!  PFLICHT! Die Veranstalter fordern Beleuchtung und Reflektoren (weißer Reflektor vorne und roter Reflektor hinten), sowie Speichenreflektoren. Das wird teilweise kontrolliert.

Zur Strecke:

Die ersten 100 km bis Jönköping rollen – meistens mit Rückenwind – sehr gut. Es kommen einige Anstiege, dort kann man es ruhig angehen lassen. Zwischen km 38 und 140 liegen ca. 2/3 aller Höhenmeter. Insgesamt hat man rund 1.500 Höhenmeter zu meistern. Am besten lässt man es ruhig angehen und schließt sich einer Gruppe an.

Das 1. Depot kommt bei km 47. Das 2. Depot folgt bei km 83. Hier kann man etwas essen (die Salzgurken schmecken zwar nicht gut, helfen aber) und trinken, den technischen Service in Anspruch nehmen oder wenn nötig die Krankenstation aufsuchen.

Das 3. Depot kommt nach km 104, wo warmes Essen (Köttbullar mit Kartoffelmus) in einer Halle serviert wird. Nach Jönköping folgen eine Reihe von Anstiegen, bei km 133 (Fagerhult) findet ihr das 4. Depot.

Bei km 171 (Hjo) gibt es am 5. Depot die nächste warme Mahlzeit. Es gibt eine leckere Lasagne, die ebenfalls in einer Halle gegessen werden kann. Hat sich als Mittel gegen Hungerast bei km 260 bewährt. Depot Nummer 6 (km 204, Karlsborg) liegt an einer alten Verteidigungsanlage, direkt am See. Ab hier sollte man versuchen genügend zu essen, auch wenn man vielleicht gar keinen Appetit hat.

Das 7. Depot liegt bei km 225, das 8. bei km 257 (Hammarsrundet) nach einem ordentlichen Anstieg. Hier sollte man noch einmal anhalten und Energie für die letzten 53 Kilometer tanken.

Von hier bis zum nächsten Depot leider relativ viel Autoverkehr, da es eine der Hauptverbindungsstrecken ist, Vorsicht ist also geboten. Am 9. und letzten Depo vor dem Ziel bei km 274 (Medevi) gibt es noch einmal etwas zu essen und zu trinken. Nach dem Wegfahren muss man eine kurze Rampe hoch, danach folgt der Zieleinlauf durch lichte Kiefernwälder und Felder bis nach Motala.

Nach 300 Kilometern rollt man über die Uferpromenade ins Ziel und erhält dort seine wohlverdiente Medaille.

Motala, 2013-06-14–15, Vätternrundan, mellan Jönköping och Fagerhult, Foto: Micke Fransson

 

Hier noch ein paar Blog-Beiträge und interessante Links:

  1. https://www.fitforfun.de/sport/fahrrad/vaetternrundan-300-kilometer-auf-dem-rad_aid_9677.html
  2. https://www.bikeblogger.de/2017/06/vaetternrundan-2017-0915-sind-nicht-immer-sub10/#more-43814
  3. http://www.roadbike.de/news/rennrad-szene/50-jahre-vaettern-runde.1398860.9.htm

 

Wir bedanken uns bei David Zimmermann (Hamburg), der seine Erfahrungen mit uns geteilt hat

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